Schützengesellschaft Wallenfels e.V.

 

 

 

 

1911-1934

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                      Teil II (1911-1934)

Große Unannehmlichkeiten brachte dem Verein die Rodachflusskorrektion, der sogenannte Durchstich in den Jahren 1911 bis 1912, da der neue Flußlauf durch das Anwesen des Sommerkellers führte und auch der Schießplatz mit in Leidenschaft gezogen wurde. Da man zuvor keinerlei grundbuchamtliche Eintragungen bezüglich des Schussrechts hatte durchführen lassen, erbat man sich schließlich nach langen Verhandlungen das alte Schießrecht vom Straßen- und Flussbauamt Kronach. Die Genehmigung wurde allerdings erst mit vielen Auflagen, wie Sicherungs-u. Absperrmaßnahmen sowie Schadenshaftung erteilt. Das letzte Schützenfest vor dem 1. Weltkrieg fand 1914 statt, von dem aus die jungen Schützen buchstäblich vom Schießstand weg zu den Fahnen gerufen wurden. Auch die Schützengesellschaft zollte dem großen Völkerringen ihren Tribut. Folgende Schützenbrüder starben den Heldentod:

Sommerkeller mit provisorischer Holzbrückenkonstruktion~1
Sommerkeller mit neuer Betonbrücke (Arbeiten)~1

Josef Müller - Konditor
Johann Simon jr. - Kremerschuster
Paul Simon - Kremerschuster
Heinrich Strötz
Johann Müller jr. - Sägfeiler

Die Schützengesellschaft wird ihren gefallenen Kameraden ein immerwährendes Gedenken bewahren.

Noch bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges herrschte lebhafte Tätigkeit im Verein.
Im Frühjahr 1913 betrug der Vereinsstand 70 Mitglieder und 3 Ehrenmitglieder.
Bei der Vorstandswahl per Akklamation wurden der Kellerbesitzer Hans Mähringer zum I. Schützenmeister und der Holzhändler Georg Schmitt jr. zum II. Schützenmeister von der Versammlung gewählt. Kassier war Theodor Köstner, Schriftführer Josef Müller. In den Ausschuß wurden gewählt Pfarrer Schlund, B.J. Müller (Bi-Müller), Andreas Köstner, Müller Casp.Sohn und der Apotheker Schropp.

Wegen der vorgenannten Rodachkorrekion wurden weiterhin Bestrebungen unternommen, das Schießen aufrechtzuerhalten. Es ergingen Schreiben an das Bezirksamt in Kronach und das Straßen- und Flussbauamt Kronach. Noch im Juli 1914 wurde ein aufwändiges Schreiben an die kgl. Regierung von Oberfranken in Bay-
reuth verfasst, um die weitere Genehmigung zur Ausübung des Schussrechtes zu erhalten.

Unsere Schützen wurden nicht müde, beispielsweise auswärtige Schießen zu besuchen, u.a. 1913 in Presseck, Kulmbach, Schwarzenbach, Rothenkirchen, Kronach, Geroldsgrün, Marktzeuln und Helmbrechts.
1914 kamen zu den genannten Orten noch Neuhaus, Sonneberg, Ludwigsstadt und Naila hinzu.

Für die Anschaffung des Königspreises wurden 1914 ca. 30 M ausgegeben, für die Wallenfelser Musik ca. 250 M beim Schützenfest, zudem ließ man sich etwa 100 Reklamekarten, es wird sich hierbei wohl um Festkarten gehandelt haben, drucken.

Von 1914 - 1918 ruhte verständlicherweise der Schießbetrieb. Die erste Versammlung nach dem Krieg fand am 9.3.1919 statt, in der unter anderem das durch die Mobilmachung im Jahre 1914 abgebrochene Schießen als null und nichtig erklärt wurde. Die alte Schießanlage am Sommerkeller war durch die langjährige Unterbrechung so verfallen, daß sie nicht mehr den baupolizeilichen Vorschriften entsprach. Auf der Suche nach einem neuen Schießgelände stellte schließlich der damalige Vorstand Hans Mähringer sein Wiesengrundstück oberhalb des Sommerkellers zur Verfügung. Der Ausbau der neuen Schießanlage erforderte von der Vorstandschaft viel Arbeit und von den Mitgliedern große Opfer. Der Verein zählte im Jahr 1920 1 Ehrenmitglied und 57 Mitglieder.

SGW Chronik - Ansicht vom Schützenkeller (Sommerkeller)1

Im gleichen Jahr erfolgte auch die Anschaffung der Königskette.
Aus 70 gestifteten in- und ausländischen Münzen und Medaillen wurde die Kette finanziert und hergestellt. Am 5 und 6. September des Jahres feierte man das 60jährige Vereinsjubiläum. Zu dieser Zeit war der Apotheker Schropp 1. Vorstand. Beim Schützenfest spielt die Musikkapelle Wallenfels für 1000 M. Die Inflationszeit nahm Einzug.

Seit der Rodachregulierung war man fortwährend an dem Erwerb eines eigenen Grundstückes interessiert. Doch alle Verhandlungen scheiterten vorerst an der beginnenden Inflation. Auch der bei der Generalversammlung am 9.1.1923 gefaßte Plan, zusammen mit den übrigen drei Sportvereinen ein gemeinschaftliches Vereinshaus zu bauen, scheiterte nicht zuletzt an der Finanzierungsfrage.

Am 1.3.1923 wurde beschlossen, für das Bundeschiessen, das der Zimmerstutzenverein in diesem Jahr durchführt, einen Ehrenpreis zu stiften. Hierzu hat jedes Mitglied 150 M beizusteuern. Der Schützenmeister, Förster Braun, wurde als Delegierter für die Bundesversammlung beauftragt.

Dem Zimmerstutzenverein und dem Bundesschiessen wird ein nachfolgender separater Teil gewidmet werden.
In der Folgezeit weitete sich die Geldentwertung immer mehr aus. Beim Schützenfest 1923, das wegen des Bundesschiessens nur in beschränktem Umfang abgehalten wurde, zahlte man beispielsweise für die Musikkapelle 600 000,- Mark, der Aufwand für die Zieler wurde mit 20 000,- M abgegolten. Die provisorische Schiessanlage oberhalb des Sommerkellers bereitete immer wieder Probleme und führte zu Beanstandungen durch die Aufsichtsbehörden. Die geforderten Sicherungsmaßnahmen hätten immer größere Kosten verursacht.Deshalb legte man in der Mitgliederversammlung vom 26.4.1925 fest, das vor dem Krieg benutzte alte Schießhaus mit den Schießständen unterhalb des Sommerkellers (beim heutigen Anwesen ehemalige Metzgerei Georg Mähringer) instand zu setzen. Die Verhandlungen hierzu scheiterten aber durch den Einspruch des Flussbauamtes Kronach. Trotzdem gab man im Verein nicht auf. Für das Bundesschiessen in Marktredwitz wurden 10 Schützen entsandt. Eine Inventur der bei Strötz (Gastwirtschaft) aufbewahrten Schützenkönigsscheiben wurde angeordnet, die Scheiben sind beim Schützenmeister Förster Braun abzuliefern und ein künftiger Inventurverwalter soll eingesetzt werden. Weiterhin erfolgt in futura die Ladung der Mitglieder für Versammlungen im Rodachboten.

Freudig begrüßt wurde der bei der Versammlung am 10.9.1925 vom damaligen Bürgermeister und Ausschussmitglied Hans Müller-Lisa abgegebene Vorschlag, seine an der Bahnhofstraße gelegene Wiese der Schützengesellschaft käuflich zu überlassen. Hiermit begann ein neuer richtungsweisender Schritt in der Vereinsgeschichte. Der Kauf kam mit 1800 M zustande, getragen je zur Hälfte von beiden Schießvereinen. Zudem mussten die Schützengesellschaft und der Zimmerstutzenverein je 500 M Anzahlung leisten. Weiterhin hatte jedes Mitglied einmalig 3 M beizusteuern. Nach dem Plan des Regierungsbaumeisters Eger schritt man nun eilends an die Erstellung einer neuen Schießanlage

Umfangreiche Verhandlungen mit den Anrainern bezüglich Verpachtung von weiterem Grund und Boden zur Aufstellung von Scheibenständen, auch für das Kleinkaliberschiessen sowie des Überschießens einer Wiese kamen letztendlich durch das hierfür eingesetzte Komitee mit Karl Braun, Dr. Renner und Andreas Köstner-
Buchbinder zu einem erfolgreichen Abschluß.
Für die Restfinanzierung der Anlagen wurden Bauschuldscheine im Werte von 5, 10 und 20 Mark ausgegeben. Sogar in Amerika lebende frühere Wallenfelser haben mit Bausteinspenden zum Gelingen des Projekts beigetragen.Die bisherige Schießhalle des Zimmerstutzenvereins, welche schon im Garten von Weiß-Bücher und am Sommerkeller ihre Dienste getan hatte, wurde abgebrochen und auf der neuen Schützenwiese errichtet.
So konnte das erste gemeinsame Schießen beider Schützenvereine im Jahr 1926 mit dem traditionellen Volksfest abgehalten werden. 1927 zählte der Verein 67 Mitglieder. Vorstand Joh. Müller Lisa wurde auf Vor- schlag der Versammlung mit dem "Prinz Alfons Ehrenzeichen" wegen seiner hervorragenden Verdienste bedacht. Mitte des Jahres konnte ein Vertrag mit Herrn Joseph Köstner wegen Überschießen seines Grundstücks ausgehandelt werden. Etwa zu gleicher Zeit wurde ein Darlehen von 1500 M aufgenommen, um die zunächst provisorisch aufgebauten Scheibenstände auf Veranlassung der Baubehörden vorschriftsmäßig herzurichten, z.B. Ausbetonierung. Mit der Durchführung wurde die Firma Christian Querfurth aus Wallenfels beauftragt.
Ins Jahr 1927 fielen auch verschiedene Ehrungen. So wurde Hauptlehrer Wagner zum Ehrenmitglied und Georg Schmitt zum Ehrenschützenmeister ernannt. Das Prinz-Alfons-Ehrenzeichen erhielten in diesem Jahr Andreas Köstner (206) und Georg Schmitt für große Verdienste im Schießwesen. Ende des Jahres besprach man noch mit dem Zimmerstutzenverein den Bau einer gemeinsamen Bierhütte, die dann bereits im Frühjahr 1928 errichtet werden konnte. Tüchtig besuchte man weiterhin die auswärtigen Schießen. So wurden beispielsweise 1928 die Schießen in Bamberg, Rothenkirchen, Neustadt, Schwarzenbach, Presseck, Marktzeuln, Geroldsgrün und Kulmbach von unseren Schützen frequentiert.
Einen ausgezeichneten 3. Platz konnte 1930 Schützenbruder Georg Müller, Studien- assesor, beim 19. Bundesschießen in Köln und zwar beim Pistolenschießen errringen.

Ins gleiche Jahr fiel die Anschaffung eines Ehrenpreises im Wert von 25 RM für das 25jährige Jubiläum des Zimmerstutzenvereins. Auch wurde beschlossen, kein 70jähriges Jubiläum zu feiern, sondern zu warten bis zum 75jährigen im Jahr 1935. Es herrschte halt eine wirtschaftlich schlechte Zeit, da zeigte sich auch am Defizit im alljährlichen Mitgliederstand. Waren es 1930 noch 59 Mitglieder, so waren es 1932 nur noch 44, 1935 gar 40 Mitglieder.

Daß in Versammlungen auch untereinander immer wieder mal mit harten Bandagen "gekämpft" wurde, zeigt sich u.a. im Text eines Versammlungsprotokolls vom 25.6.30. Es darf mal zitiert werden:"Besonders bedauerlich und wird allgemein gerügt, daß der I. Schützenmeister Braun zur Versammlung nicht erschienen ist, obwohl Festsetzung des Schießprogrammes auf der Tagesordnung stand".

Einladung zum Hauptschießen 1931 001~1
Einladung zum Hauptschießen 1931~1

1933 verstarb Ehrenschützenmeister Georg Schmitt. Das Prinz-Alfons-Ehrenzeichen erhielten Johann Müller Caspar Sohn, Apotheker Schropp und Revierförster Braun wegen ihrer großen Verdienste.

In der Versammlung vom 6.1.1934 erfolgte die Gleichschaltung des Vereins. Ab sofort folgte zum Schluß jeder Tagung das bekannte Grußwort auf den Führer".<
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