Schützengesellschaft Wallenfels e.V.

 

 

 

 

1936-1959

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Teil IV (1936 - 1959)

Nach dem beschriebenen geglückten Zusammenschluß beider Vereine fand das 1. gemeinsame Schießen am 12.3.1936 im Saale des Gasthofes "Wirtshannla" statt, während das Hauptschießen am 31.5. und 1.6.1936 auf der neuen Schützenwiese durchgeführt wurde. Durch die Errichtung eines Kleinkaliberschießstandes wurde das Schießprogramm in diesem Jahr erweitert, wie sich überhaupt in der Folgezeit das Kleinkaliberschießen viele Freunde erwarb. Am 7.2.1937 wies der Verein einen Mitgliederstand von 63 und 9 Ehrenmitgliedern auf. Der Schuldenstand betrug zur gleichen Zeit infolge des Kaufes der Schützenwiese und des Baues der Schießanlagen 2 755.47 Mark. In der Hauptversammlung am 1.1.1939 übernahm Christian Müller-Lisa die Gesamtschuld von 2 586 RM gegen eine Hypothekensicherung auf die Schützenwiese.

Durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1.9.1939 wurde die bislang gute und gesunde Aufwärtsentwicklung der Schützengesellschaft jäh unterbrochen. Alle wehrfähigen Schützenbrüder wurden eingezogen, viele kehrten nicht mehr heim vom Felde. Die Vereinstätigkeit wurde durch die gegebenen Umstände immer schwächer und kam schließlich ganz zum Erliegen.

Die totale Niederlage brachte es mit sich, dass von den Besatzungsmächten, die anfänglich den Sinn und Zweck der Schützenvereine vollkommen falsch beurteilten, alle diese Vereine verboten wurden, ihr Vermögen beschlagnahmt und die Vorstände zur Rechenschaft gezogen wurden. Unser Schützenplatz mit seinen Gebäuden musste artfremden Betrieben pachtweise zur Benutzung überlassen werden.

Ehrenvorstand Benno Stöcker-Wirtshannla war es, der als erster wieder die Initiative ergriff und zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 28.10.1948 rief. Den anwesenden 11 Schützen wurde ein Schreiben der Vermögenskontrollstelle Coburg vom 25.10.1948 verlesen, worin mitgeteilt wurde, dass das Vermögen der Schützengesellschaft unter den Bedingungen freigegeben wird, dass sie sich neu lizensieren, ihre Satzung ändern lässt und eine neue Vorstandschaft wählt. Einstimmig einigte man sich auf die Erfüllung dieser Bedingungen. Die neugewählte Vorstandschaft setzte sich wie folgt zusammen:

 

                      1. Vorstand    Richard Stumpf-Rauh

                      2. Vorstand    Benno Stöcker-Wirtshannla

                      Kassier        Rudolf Behrschmidt

                      Schriftführer   Karl Zeuß.

Der Anfang nach dem 2. Weltkrieg war somit gemacht. Der Verein entwickelte sich in der Folgezeit dank der Tatkraft einiger alter treuer Schützenbrüder und auch mit Hilfe der neugewonnenen jungen Schützen zu seiner heutigen beachtlichen Stärke. Die Verdienste, die sich dabei der mittlerweile verstorbene Ehrenvorstand Benno Stöcker erworben hat, sollen auch an dieser Stelle gebührend erwähnt werden. Der verstorbene frühere Bürgermeister und Schützenbruder Hans Engelhardt hat sich um die Rückgabe des Vereinsvermögens, um die man sich seit dem 15.11.1948 ununterbrochen bemühte und die mit Notariatsurkunde vom 4.5.1950 endlich Wirklichkeit wurde, ebenfalls verdient gemacht.

Die anfänglichen Bestimmungen des Kontrollrates, nach denen satzungsgemäß nur mit Armbrust geschossen werden durfte, wurden später dahingehend erleichtert, dass auch das Schießen mit Luftgewehren genehmigt wurde.

Am Festzug der 700-Jahrfeier unserer Stadt im Jahre 1949 hat auch eine Gruppe der Gesellschaft teilgenommen.

Ende Juli 1950 feierte die Schützengesellschaft ihr 90jähriges Bestehen. Der gefallenen und verstorbenen Mitglieder wurde in einem Festgottesdienst gedacht. Die Ortsvereine haben durch ihre Teilnahme am Festzug ihre Verbundenheit bewiesen. Das abgehaltene Kinder- fest hat besonders bei den Kleinen viel Anklang gefunden.

Im Juli 1951 fand auf einer oberhalb des Sommerkellers behelfsmäßig errichteten Schießanlage das 1. Schützenfest nach dem Kriege statt. Schützenbruder Eduard Mähringer, Kellerwirt, hat uns dabei in anerkennenswerter Weise unterstützt. Wenn auch im bescheidenen Maße, konnte damit an die allgemein beliebten Schützenfeste der Vergangenheit angeknüpft werden. Das Zusammentreffen mit den auswärtigen Schützenbrüdern nach so langer Zeit war für viele ein besonderes Erlebnis.

Nach der Gründung des Oberfränkischen Sportschützenbundes im Jahre 1951 gehört Wallenfels bis heute zum Gau Oberfranken Nord mit dem Sitz in Coburg. Der Mitgliederstand war vom Zeitpunkt der Wiedergründung 1948 von 53 bis zum 26.2.1953 auf 93 angestiegen. An diesem Tag wurde Christian Müller-Lisa zum 1. Vorstand gewählt, der diesen Posten mit viel Idealismus und persönlichem Einsatz bis zum 15.03.1979, also 26 Jahre, inne hatte. Dieser Mann ist aus der Geschichte der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Gleiches gilt für den Schützenbruder Richard Stumpf-Rauh, dem Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit beim Wiederaufbau der Schützengesellschaft nach dem Kriege gebühren.

Anläßlich eines Strohschießens wurden 8 Schützenbrüder zu Ehrenmitgliedern ernannt, während für 25jährige Mitgliedschaft 25 Männer geehrt wurden. Beim Gauschießen 1953 in Kronach konnte eine Gruppe der Wallenfelser Schützen den 2. Platz belegen.

Das Volksblatt widmet in seiner Ausgabe vom 26.1.1954 diesem sportlichen Highlight etliche Zeilen, verbunden mit einem Bericht über die stattgefundene Jahreshauptversammlung. Der damalige 1. Schützenmeister Bernhard Behrschmidt teilte hierbei stolz mit, dass bei diesem Gauschießen die Wallenfelser Mannschaft mit Bernhard Behrschmidt, Christian Müller-Lisa, Rudolf Behrschmidt, Bernhard Gleich und Raimund Bäumel Vizemeister geworden sei.

 

Die wöchentlich jeweils am Donnerstag abgehaltenen Gesellschaftsabende haben sich zu einer lieb gewonnenen ständigen Einrichtung entwickelt, die viel dazu beigetragen hat, den Verein auch nach innen immer mehr zu festigen. Das war früher so und ist bis in unsere Jetztzeit fester Bestandteil des Gesellschaftslebens.

Am 25.9.1955 lief endlich der Pachtvertrag mit der Autoreparaturwerkstätte Hans Kremer ab, der dann am 1.6.1956 die Schützenwiese der Gesellschaft zurückgab. Leider waren die Gebäude mit Ausnahme der Bierhalle in einem nicht mehr reparaturfähigen Zustand. Man musste deshalb notgedrungen eine neue Schießanlage erstellen, zumal die Anlage im Sommerkeller auch nicht mehr den Anforderungen entsprach. Nach längeren Verhand- lungen eines dafür ins Leben gerufenen Ausschusses, der auch mit dem Angrenzer Josef Köstner die pachtweise Überlassung eines Wiesengrundstückes mit eventuellem Vorkaufsrecht regelte, und nach dem Planentwurf von Baumeister Richard Schmittnägel wurde in der Hauptversammlung am 30.1.1957 der Bau eines Schießhauses mit einem Voranschlag von 12 000,--Mark beschlossen. Zur Finanzierung hatte jedes Mitglied 50,-DM Baukostenzuschuß und zwei Tagesschichten (ersatzweise 30,--DM) zu leisten. Das ergab mit dem Barvermögen des Vereins eine verfügbare Summe von 7000,--DM, der Rest sollte durch Kredite von Mitgliedern oder durch Ausgabe von sog. Bausteinen aufgebracht werden. Ehrenmitglied Andreas Köstner spendete allein zu diesem Bau 1000,--DM. Ihm sei an dieser Stelle für diese großherzige Spende besonders gedankt. Die Bauarbeiten wurden von Baumeister Richard Schmittnägel, die Zimmerarbeiten von Zimmermeister Alfons Schmittnägel durchgeführt. Bereits am 3.11.1957 konnte das Richtfest gefeiert werden. Zum letzten Mal fand dann das Strohschiessen unter "alten" Verhältnissen, jedoch verbesserten Lichtverhältnissen im Sommerkeller statt, wie die Zeitung vom 9.1.1958 berichtete:
"….bei sehr reger Beteiligung wurde auf drei Ständen geschossen. Selbst Gauschützenmeister Adolf Schwemmlein beteiligte sich mit drei weiteren Schützenbrüdern aus Coburg am Schießen. Gut besucht war auch der Familienabend, bei dem Schützenmeister Bernhard Behrschmidt die Begrüßung hielt. Erster Vorstand Christian Müller-Lisa teilte mit, daß dem erkrankten Schützenbruder und Bürgermeister Hans Engelhardt in seiner Wohnung die goldene Ehrennadel des Bayer. Sportschützenbundes ausgehändigt worden ist.
…..der Gauschützenmeister gab seiner Freude über den guten Zusammenhalt in der Wallenfelser Schützengesellschaft Ausdruck. Aus seiner Hand erhielten nun die goldene Ehrennadel Christian Müller-Lisa, Richard Stumpf-Rauh und Eduard Mähringer. Mit der goldenen Ehrennadel für außergewöhnliche Schießleistungen wurden Rudolf Behrschmidt und Franz Gleich-Kölla ausgezeichnet. Die silberne Ehrennadel für erfolgreiche Schießen empfingen Christian Müller-Lisa und der begabte Jungschütze Franz Eger der vom  2. Schützenmeister Bernhard Gleich-Kölla betreut und trainiert wurde.

Anschließend wurden die beiden Schützensenioren Benno Stöcker-Wirtshannla, Ehrenvorstand, und Ehren- schützenmeister Andreas Köstner-Buchbinder, geehrt. ….die beiden Schützenmeister Hans Gleich-Kölla und Bernhard Behrschmidt nahmen sodann die Verteilung der Preise für das Strohschießen vor……… . Die Wallenfelser Musikkapelle umrahmte den gelungenen Abend mit schönen Weisen…..".

Mit dem vorhergehenden Beitrag soll nur mal aufgezeigt werden, wie intakt das Schützenleben war und welche hervorragenden Schützen schon damals unsere Stadt nach innen und außen hin würdig vertraten.

Während des Frühjahres und Sommers 1958 wurde der Innenausbau des künftigen Schießhauses vorgenommen und die zusätzlichen Anlagen errichtet. Am Sonntag, 15.6.1958 fand nach sorgfältiger Vorbereitung die Einweihung und anschließend das 1. Schießen im neuen Schießhaus statt. Nach einem Festgottesdienst mit an-
schließendem Festzug, an dem viele auswärtige Schützengesellschaften und alle Ortsvereine teilnahmen, wurde vor dem Gebäude ein kurzer Festakt abgehalten. Die Vertreter des Verbandes, der Stadt und der Kirche brachten ihre Anerkennung und guten Wünsche zum Ausdruck. Der Gesangverein "Cäcilia" hat diese schöne Feierstunde mit einigen passenden Liedern umrahmt. Kaplan Heinrich Röthlein nahm die kirchliche Weihe vor. Sodann setzte auf allen 15 Schießständen reger Schießbetrieb ein. Alle Gäste sprachen sich sehr anerkennend über die gesamte Anlage aus. Das 1. Schießen im neuen Schießhaus wurde infolge der starken Beteiligung von jung und alt und der guten Organisation ein voller Erfolg.

Die Presse geht mit der Offerte vom 17.6.1958 recht ausführlich auf diesen wichtigen Meilenstein in der Vereinsgeschichte mit folgendem Wortlaut ein:

"Wallenfelser Schützenfest ganz groß

Schießhaus wurde eingeweiht- Massenandrang bei allen Veranstaltungen

WALLENFELS. - Ideales Sommerwetter, erwartungsvolle Stimmung und Massenandrang bei allen Veranstaltungen, das kennzeichnet die Lage am Wochenende und am Sonntag in dem Frankenwaldstädtchen. Bereits der Auftakt am Samstagabend mit der Bierprobe und dem Kameradschaftsabend der Schützengesellschaft im Bierzelt auf der Festwiese war ein Erfolg, wenn das volle Zelt als Gradmesser hierfür betrachtet werden kann. Für die nicht erschienene Münchner Trachtenkapelle sprang im letzten Augenblick die Stockheimer Bergknappenkapelle ein, die ihre Sache ebenfalls recht gut machte. Der Sonntag wurde mit einer Übung der Freiwilligen Feuerwehr um 7 Uhr auf dem Marktplatz eingeleitet, während gleichzeitig am anderen Ende des Marktplatzes das Budendorf der Fieranten erstand, die ebenfalls an diesem Tag ihren Monatskrammarkt abwickelten. Um 10 Uhr bewegte sich die große Kirchenparade unter Beteiligung fast aller ortsansässigen Vereine mit ihren Fahnen und Marschmusik vom Marktplatz zur festlich geschmückten Pfarrkirche. Danach formierte sich ein stattlicher Festzug, der seinen Weg durch die Frankenwald-, die Jakob-
Degen-Str. und über den Marktplatz die Hauptstraße und durch die Schützenstraße zur Schützenfestwiese am

Westausgang des Ortes nahm. Starke Abordnungen der befreundeten Schützenvereine aus Kronach, Presseck, Schwarzenbach-W., Burgkunstadt, Rothenkirchen und Stockheim nahmen neben den Vereinsabordnungen der Wallenfelser mit Ehrenjungfrauen, mit ihren reichlich bestickten Fahnen und ihren Schützenkönigen an dem Umzug teil. Böllerschüsse vom Leutenberg kündeten den Beginn des großen Schützenfestzuges an, als die Wallenfelser Blaskapelle den ersten Marsch intonierte. Auf der Schützenwiese hieß erster Vorsitzender Christian Müller-Lisa alle Gäste herzlich willkommen. Sein besonderer Gruß galt Stadtkaplan Heinrich Röthlein, den er bat, die kirchliche Weihe des neuen Schützenhauses vorzunehmen. Bürgermeister Hans Engelhardt, Gauschützenmeister Bernhard Schwämmlein, Coburg, und Bezirksschützenmeister Willi Müller aus Hof. Die Ansprache Kaplan Röthleins gipfelte in dem Satz "Bedenke bei allem, was du tust, ob du es auch vor Gott verantworten kannst !". Der Bürgermeister beglückwünschte im Namen der Stadt die Schützengesellschaft zur glücklichen Errichtung des schönen Hauses und gab einen kurzen geschichtlichen Rückblick auf den Werdegang des Vereins. Die Glückwünsche des Schützengaues Nord übermittelte Gauschützenmeister Schwämmlein. Er hob dabei die Tatkraft dieses rührigen Vereins hervor. Unter großem Beifall händigte er für 60jährige Dienste im gesamten Schießsport dem Ehrenschützenmeister Andreas Köstner den Ehrenbrief als Gauehrenschütze aus. Heinrich Götz und Adolf Reuther erhielten für besondere Verdienste die Verdienstnadel des Gaues Nord. Bezirksschützenmeister Müller zeigte die Schwierigkeiten auf, mit denen die einzelnen Schützengesellschaften nach dem zweiten Weltkrieg zu kämpfen hatten. Auch er war des Lobes voll über die Leistungen des Wallenfelser Vereins. Der Gesangverein Cäcilia umrahmte die Feier mit dem Weihelied "Kröne mit Segen, o Ewiger das Werk" und mit dem Bundeslied "Brüder reicht die Hand zum Bunde". Sofort nach der Weihe begannen in dem schönen Schießhaus die Schießwettkämpfe um die Ehren- und Geldpreise.………Diese ereignisreichen Tage werden allen Wallenfelsern noch lange in Erinnerung bleiben."

Die neue Schießanlage hat nach endgültiger Abrechnung 16 460,--DM gekostet. Um die noch bestehende Lücke in der Finanzierung zu schließen, gaben einige Schützenbrüder dem Verein Darlehen von insgesamt
6 000,--DM.

Damit ist der jahrzehntelange Wunsch, eine eigene Anlage zu besitzen, endlich in Erfüllung gegangen. Dank gebührt allen, die dazu beigetragen haben, dieses Werk erstehen zu lassen. Nur aus dem ausgeprägten Gemeinschaftsgeist, der die Schützengesellschaft besonders auszeichnet, konnte diese stolze Leistung vollbracht werden.

Auch das Schützenfest 1959 war sehr erfolgreich. Es war ein Rekordbesuch von auswärtigen Schützen zu verzeichnen. Um die innere Ausgestaltung des Schießhauses zu vervollständigen, wurden im gleichen Jahr von der Firma Menger, Stoffelsmühle, die erforderlichen Tische und Stühle beschafft.
Eine außerordentliche Mitgliederversammlung am 29.10.1959 beschäftigte sich ausschließlich mit der Gestaltung des 100jährigen Gründungsfestes der Schützengesellschaft im Jahre 1960.

Mit den großen Feierlichkeiten zum 100jährigen Bestehen der Gesellschaft fand eine wechselvolle Entwicklung mit 2 Weltkriegen und 2 Inflationen ein Ende. Das Jubiläumsfest wurde in der Zeit vom 25. - 29. Juni 1960 abgehalten.

Schützenfest 1959
Schützenfest 1958 001
Schützenfest 1958 002

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